Wenn ein neuer Roman von Robert Seethaler erschient, kann man sich auf feinsinnige Charakterstudien und liebevolle Einblicke in Menschliches und Allzumenschliches freuen.

So ist es auch in „Die Straße“, seinem kürzlich erschienenen Roman. Seethaler erzählt von einer Straße, wie es sie in allen Städten gibt. Keine Hauptstraße oder Flaniermeile, sondern ein Ort, der gewachsen ist und den Bewohnern und Bedürfnissen eines wachsenden Arbeiterquartiers angepasst wurde.

Eingerahmt in die Geschichte eines Mannes, der sich seinen Lebenstraum erfüllt und in einer alten Kohlenhandlung sein Antiquariat eröffnet, begegnen uns die Bewohner der Heidestraße. Da ist die Bäckerin, die jeden kennt. Die Blumenhändlerin mit der großen einsamen Liebe, da sind die Zornigen, die Traurigen, die Träumer und die Einsamen. Sie alle finden Platz in diesem kurzweiligen und wirklich schönen Buch.

„Die Straße“ ist nicht nur für Seethaler-Fans ein echtes Lesevergnügen, mit Einfühlungsvermögen und einem feinen Humor erzählt. Jeder, der Geschichten über Menschen, über die kleinen und großen Schicksale mag, wird hier viel Freude haben.

(Pia Patt)


Robert Seethaler: Die Straße. Claassen Verlag 2026, € 25,00.