Die Autorin hat sich an ein sehr brisantes und hochaktuelles Thema herangewagt. So hat sie mit „Yesteryear“ einen absolut bösen Roman über das Phänomen der Tradwives geschrieben und hält der Gesellschaft mit kritischem Blick auf Social Media sozusagen den Spiegel vor. Außerdem thematisiert sie die Beeinflussung einer großen Bevölkerungsgruppe, besonders die Einwirkung auf junge Frauen und legt den Daumen verstärkt auf die Wunde von frauenfeindlichen Inhalten.

Nathalie ist ein All-American-Dream-Girl. Sie hat alles, was sich Frau wünscht, zumindest lebt sie das ihren Followern so vor. Die florierende Farm, die sie mit ihrem Ehemann betreibt, ist malerisch gelegen, wie aus einer Postkarte entsprungen. Ihr Mann Caleb funktioniert wie ein Uhrwerk. Das hat sie aus ihm gemacht. Aus einem undisziplinierten Muttersöhnchen formte sie einen erfolgreichen Farmer, der auch äußerlich einem Männermagazin entsprungen scheint, die schicken Cowboystiefel inklusive. Außerdem „schenkte“ er ihr fünf wohlgeratene Kinder, das sechste ist gerade unterwegs. 

Aber der Haushalt besteht noch aus ganz speziellem Personal: Einer kochenden Nanny, einer Nanny nur für die Versorgung der Kleinsten und aus Shannon, ihres Zeichens Kamerafrau, deren Arbeit ausschließlich darin besteht, dass diese Heile-Welt-Idylle szenisch ansprechend auf dem Bildschirm landet. Selbstredend tauchen diese drei wichtigsten Personen des Haushaltes nie öffentlich auf, sie agieren im Verborgenen. 

Währenddessen streichelt Nathalie zärtlich Hühnerköpfchen, das fördert das Eierlegen und die Hühnerbrühe schmeckt am Ende nochmal so gut. Der Follower freut sich. Im Hintergrund hört man das laute, genussvolle Muh von Nathalies Lieblingskuh, denn sie wird natürlich von dem besten Farmer der Welt, Caleb, gemolken. So weit so gut und wenn sie nicht gestorben sind …

Doch irgendwann drängt sich die Frage auf, gibt es eigentlich ein Leben nach diesen Polaroid-Aufnahmen? Ja, denn eines Morgens wacht Nathalie wie aus einem Zeitsprung auf und nichts ist mehr wie es einmal war!   

Provozierend, bissig und manchmal richtig böse geht die Autorin mit Social Media und dem sogenannten Tradwife-Trend ins Gericht. Sie prangert das idealisierende 50er und 60er Jahre-Lebensgefühl und dessen frauenfeindliche Inhalte an. Aber was passiert quasi Backstage von Social Media Plattformen? Kann die Realität dort mithalten, wo das vorgegaukelte Leben aufhört und wie sind die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen? All dies hat die Autorin grandios und mit viel Verve und Humor beschrieben. Ein wichtiges Buch und nebenbei absolut lesenswert und unterhaltsam!

(Sylvia Jongebloed)


Caro Claire Burke: Yesteryear. Heyne Verlag 2026, € 24,00.

Übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn