Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende

||Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende

Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende

In der letzten Woche hatten wir einen ganz besonderen Buchtipp für Sie. Sandra Musculus, wunderbare Kundin und Buchexpertin, stellte einen Fantasy-Schmöker vor. Heute haben wir schon wieder einen tollen Buchtipp für Sie, von einer weiteren lieben und lesebesessenen Kundin, die uns ebenfalls immer auf viele großartige Bücher aufmerksam macht. Wir bedanken uns für den wunderbaren Buchtipp!

Susanne H. empfiehlt:

“Der Reisende” – in diesem spannenden Roman fühlt man sich in die Zeit im November 1938 hineinversetzt. Der Berliner Kaufmann Otto Silbermann wird in seinem eigenen Haus von Nazis überfallen. Seine „Freunde“ bringen ihn um sein Vermögen. Seine „arische“ Frau wähnt er bei ihrem Bruder in Sicherheit. Doch für ihn gilt plötzlich kein Recht mehr. Er hat einen Pass und viel Bargeld, doch ein Fluchtversuch nach Belgien geht schief. Er reist mit der Bahn – verängstigt und ziellos – durch ganz Deutschland, aber überall sind Spitzel. Jede Unterhaltung und auch ein kleiner Flirt sind lebensgefährlich. Er war ein wohlhabender und angesehener Bürger, jetzt ist er ein rechtloser Jude, ein „menschenähnliches“ Wesen. So geht es auch seinen Glaubensgenossen. Sein Geschäftsfreund Hamburger kann ihm nicht helfen, kompromittiert ihn eher. Denn Silbermann sieht aus wie ein „Goj“, Hamburger sieht man dagegen „den Juden“ an. Aber auch sein Aussehen schützt ihn nicht. Sein Sohn lebt in Paris, aber er kann kein Visum für seinen Vater bekommen. Otto Silbermann sieht keinen Ausweg. Der Besuch bei seinem Rechtsanwalt Löwenstein wird ihm zum Verhängnis.

Der Autor Ulrich Alexander Boschwitz hat diesen Roman zeitnah im Alter von 23 Jahren geschrieben. Sein sehr ähnliches Schicksal ist spürbar. Er starb schon mit 27Jahren auf einem englischen Flüchtlingsschiff, das von einem deutschen Torpedo getroffen wurde. Es ist wohl das früheste literarische Dokument der Gräueltaten im Dritten Reich, ein Jahr vor Ausbruch des II. Weltkrieges und lange bevor die Ausmaße des Holocaust bekannt wurden. Heinrich Böll hat sich schon nach dem Krieg für diesen Roman eingesetzt, aber leider keinen Verleger gefunden. Es mussten noch 70 Jahre vergehen, bis dieses Buch in deutscher Sprache erscheinen konnte.

Das Buch ist 2018 bei Klett-Cotta erschienen (€ 20,00).

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