Die Autorin vermischt in ihrem aktuellen Roman mehrere Themen miteinander. Von Spionage und Kapitalismus, über Umweltaktivismus, Endzeitszenarien und der Rückkehr zu den Anfängen der Menschheit bis zu politischen Aspekten wie USA versus Europa – alles verpackt in einem fulminanten Thriller, der so oder ähnlich Wirklichkeit werden könnte.

Sadie Smith, ehemalige CIA-Agentin, hat sich nach einer missglückten Aktion als freie Agentin selbstständig gemacht. An Aufträgen mangelt es ihr nicht. Ihre Stärke ist ihre große Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Umweltsituation ohne aufzufallen. Äußerlich bedient sie Barbie-like das Klischee des amerikanischen Schönheitsideals, allerdings ohne jegliche Skrupel und moralische Werte. Ihr Spezialgebiet ist die Unterwanderung linker aktivistischer Gruppen mit dem Ziel, diese zu Gewalttaten anzustiften und auf diese Weise zu diskreditieren.

Ihr neuester Auftrag für einen anonymen Auftraggeber führt sie nach Südfrankreich, um dort eine Ökokommune zu infiltrieren und zu vernichten. Hier in der Provinz hat sich eine Gruppe von Umweltaktivisten zusammen getan, um gegen die geplante Errichtung von sogenannten Mega-Bassins zu demonstrieren. Dieses von der Regierung geplante Projekt soll angeblich der industriellen Landwirtschaft nutzen, entzieht aber auf der anderen Seite der Region massiv das Grundwasser und stellt so einen schwerwiegenden Eingriff in die Ökologie dar.

Der geistige Kopf dieser Gruppe ist der über 80jährige Bruno, ein Alt-68er, der nie körperlich in Erscheinung tritt, sondern ausschließlich über Mails mit der Gruppe kommuniziert. Diesen Account hat Sadie gehackt, um auf dem Laufenden zu sein. Bruno selbst ist abgetaucht und lebt im wahrsten Sinne des Wortes im Untergrund, nämlich in einer Höhle wie die Neandertaler. Er hat der Zivilisation abgeschworen und glaubt an die Rettung der Menschheit nur über die Rückkehr zu ihren Ursprüngen. In Sadie und Bruno prallen zwei total unterschiedliche Weltsichten aufeinander. Der höchst spannende Showdown ist vorprogrammiert und hält dennoch eine Überraschung parat.

Das hört sich vielleicht nach sehr viel Lesestoff an, ist aber nie überfrachtet oder gar sperrig. Im Gegenteil, das Buch gibt Einblicke in unser modernes Leben, in die Gängelung durch Großkonzerne und die Gefährdung der Natur durch gewissenlose Politiker. Letztendlich geht es um die existenzielle Frage: Was heißt es, heute Mensch zu sein? Sowie um die Urfragen: Woher kommen wir und wohin gehen wir? Es ist trotz des literarischen Anspruchs flüssig zu lesen, spannend wie ein Thriller und mit einer Prise Humor an den richtigen Stellen. Ein wichtiges und kluges Buch, das keine billigen Lösungen anbietet, aber viele Denkanstöße liefert.

(Sylvia Jongebloed)


Rachel Kushner: See der Schöpfung, Rowohlt Verlag, 2025, € 26,00.

Übersetzt von Bettina Abarbanell