Sommer, Sonne, Meeresrauschen und … Mord, fertig ist die perfekte Strandlektüre. Foley hat diese Zutaten mit Hochspannung und einer mitreißenden Handlung gemischt und in einen rasanten Thriller verpackt, der jeden Strandkorb zum Erbeben bringt. Noch ein kühles Getränk dazu und der Urlaub kann beginnen.

Es ist Mittsommer in Dorset. Anlässlich der Sonnenwendfeier ist die Eröffnung eines neuen Luxushotels geplant. Die Sonne scheint auf Hochtouren und das Meer funkelt auf der Vorderseite des Hotels in allen möglichen grünblauen Tönen. Auf der Rückseite haben sich die honoren, ausgewählten Gäste bereits im Schatten eines nahegelegenen Waldrandes versammelt, um dieses Event entsprechend zu feiern. Champagnerkorken knallen und die Stimmung wird zusehends ausgelassener. Über allem thront Francesca, die Inhaberin des Hotels, elegant und selbstgefällig, sich am Ziel ihrer Träume wähnend. 

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Die Idylle bekommt erste Risse, als eine Gruppe von Dorfbewohnern auftaucht, um nicht zum ersten Mal gegen das Projekt zu demonstrieren. Sie sehen ihre Umwelt in Gefahr, mit besonderem Fokus auf den alten Waldbestand. Lautstark bekunden sie ihren Unmut, Cocktailgläser fliegen durch die Luft und werden zertreten. Später feiert eine Gruppe Jugendlicher unerlaubterweise am Strand des Hotels als gäbe es kein Morgen. Ein Feuer bricht aus und bei Morgengrauen finden Fischer eine Leiche am Strand, die offensichtlich nicht ertrunken, sondern von der Klippe gefallen ist oder… gestoßen wurde? 

Aus der Sicht fünf verschiedener Personen, teils in Rückblenden erzählt, teils in Tagebuchaufzeichnungen aus der Vergangenheit, präsentiert uns die Autorin einen Krimi in alter britischer Tradition, allerdings im modernen Gewand. Agatha Christie hätte ihre wahre Freude daran gehabt. Jeder der Protagonisten trägt hier eine Maske, vom scheinbar naiven Barkeeper bis zur schillernden Hotelchefin. Selbst die einfache Bauersfrau vom Hof nebenan scheint ein Geheimnis zu verbergen. 

Alter mystischer Glaube eingebettet in die konträre südenglische Küstenlandschaft, einerseits lieblich grün mit verschlafenen kleinen Dörfern und auf der anderen Seite schroffe Klippen und raue See, geben der Geschichte eine spürbare Atmosphäre. Leichte Grusel- und Horrorelemente  wirken wie ein starker Strudel, der in die dunklen Tiefen der Vergangenheit hinabreicht und eine Hochspannung erzeugt, der man sich bis zum überraschenden Ende nicht entziehen kann. Nach drei starken Vorgängern hat sich die Autorin hier noch einmal gesteigert. Ein „Must Read“ für diesen Sommer! Sehr empfehlenswert!         

(Sylvia Jongebloed)

Lucy Foley: Mittsommer, Penguin Verlag 2025, € 17,00.

Übersetzt von Ivana Marinovi