Sie lieben Krimis und / oder Sie lieben Literatur? Beide Genres sind in diesem Buch vereint. So verbinden sich hier nicht nur Psychothriller- und Mystery-Elemente, sondern auch familien- und gesellschaftspolitische Gesichtspunkte werden spannend und literarisch in Szene gesetzt. Weiterhin überzeugt es durch eine detaillierte Figurenzeichnung sowie durch die Thematisierung sozialkritischer Aspekte.

Die Adirondack Mountains liegen im Nordosten des Staates New York. Sie sind stark bewaldet und durchzogen von kleineren Seen. Wer sich hier verläuft, findet nicht wieder zurück, so heißt es. Doch das schreckt die Menschen nicht ab, sich hier niederzulassen. Hier hat der Geldadel seine Sommerresidenzen mit entsprechend viel Grund und Boden. Auch die Familie Van Laar residiert hier. Ein Teil ihres Landes stellt sie als Sommercamp für Jugendliche zur Verfügung. In diesem denkwürdigen Jahr 1975 gehört auch ihre 13-jährige Tochter Barbara zu den dort campenden Teenagern. Bis eines Morgens ihr Bett leer aufgefunden wird. Sofort wird eine groß angelegte Suchaktion gestartet.

Das Perfide daran ist, vor 14 Jahren verschwand ihr Bruder Bear auf die gleiche Weise. Er wurde nie gefunden. Damals ging man von einem Verbrechen aus. Diesmal ist man eher der Meinung, es mit einer jungen Ausreißerin zu tun zu haben. Aber sicher ist man nicht. Kann es so viele Zufälle geben? Zumal auch noch ein verurteilter Serienmörder aus der Haft geflüchtet ist. Hinzu kommt außerdem noch, dass die Familie Van Laar nicht besonders beliebt ist, weder bei ihren Angestellten noch bei der dortigen Bevölkerung. Auch innerhalb der Familie selbst scheint einiges im Argen zu liegen, und sie scheint einige „Leichen“ im Keller zu haben. Die junge leitende Polizistin hat es nicht leicht. Alle mauern und verheimlichen offensichtlich einiges. Aber eines ist sicher, dieser Sommer wird das Leben vieler Menschen verändern.

Die Autorin schafft eine ungewöhnlich dichte Atmosphäre, der man sich von Beginn an nicht entziehen kann. Dadurch wird eine subtile Spannung erzeugt, die unter die Haut geht und die ca. 600 Seiten nur so verfliegen lässt. Die klare Sprache mit schnellen Schnitten und Cliffhangern erreicht literarisches Niveau gepaart mit einem hohen Unterhaltungsfaktor und einer komplexen Story. Das Ende ist in keinster Weise vorhersehbar, dabei sehr stimmig und logisch. Für mich ist dieses Buch mein persönliches Highlight in diesem Frühjahr!

(Sylvia Jongebloed)


Liz Moore: Der Gott des Waldes, CH.Beck Verlag 2025, € 26,00.

Übersetzt von Cornelius Hartz