Der 85-jährige Filmemacher Hark Bohm erzählt in „Amrum“ vom Leben auf der nordfriesischen Insel im Frühjahr 1945. Amrum ist Bohms Heimat, und seine eigenen Kindheitserinnerungen dürften den Roman entscheidend geprägt haben.
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des 10-jährigen Nanning. Er lebt mit seiner schwangeren Mutter, deren Schwester und seinen jüngeren Geschwistern in einer Zuflucht auf Amrum. Dort wuchsen Mutter und Tante auf. Die Insel ist heile und beschädigte Welt zugleich. Da der Vater abwesend ist, fühlt Nanning sich verantwortlich für das Wohl seiner Familie und beschafft Nahrung. Mit seinem Freund Hermann zieht er durch die Natur, unternimmt abenteuerliche Entdeckungsausflüge und fängt Schollen und Kaninchen, um für eine Mahlzeit zu sorgen und sie gegen andere Nahrungsmittel zu tauschen. Die beiden Jungen helfen einer Bäuerin bei deren Arbeit und verdienen sich so Milch und Butter. Doch die Zeitgeschichte ist immer präsent und das Kriegsgeschehen beeinflusst auch das abgeschiedene Inselleben und zeigt immer deutlicher den Riss, der durch Nannings Welt geht: Die regimekritischen alteingesessenen Inselbewohner und auch seine Tante auf der einen Seite und seine Eltern auf der anderen Seite, beide überzeugte NSDAP-Anhänger. Hitlers Selbstmord schließlich erschüttert endgültig die Inselgemeinde. Viele Insulaner atmen befreit auf. Nicht zufällig, denn viele Amrumer dienen in der US-Army. Nannings Mutter hingegen fällt in tiefe Trauer.
Das ruhige, naturverbundene, schlichte Leben auf Amrum wird konsequent mit den Sorgen und dem Staunen eines heranwachsenden Jungen verbunden. Vor dem dicht und authentisch erzählten Zeitgeschehen entfaltet sich ein bildgewaltiges Erinnerungswerk, in dem man mehr als einmal Szenen wie auf einer Kinoleinwand vor dem inneren Auge sieht.
„Amrum“ ist der erste Roman vom Schauspieler, Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Hark Bohm. Co-Autor des Romans ist Philipp Winkler, der für seinen Roman „Hool“ mehrfach ausgezeichnet wurde. Derzeit wird „Amrum“ verfilmt von Fatih Akin.
(Birgit Lingmann)

