Elefanten mitten im Großstadtgetriebe, nicht im Zoo und auch nicht aus diesem entlaufen. Erst einer, dann zwei, dann ganze Herden. Sie bevölkern die Straßen und öffentlichen Plätze der deutschen Hauptstadt! Wäre dieses Szenario vorstellbar? Aber der Reihe nach.
Es beginnt damit, dass der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Einfuhrbeschränkung von Elfenbein verabschiedet. Die Regierung, allen voran Bundeskanzler Hans Christian Winkler, hat dieses Gesetz nicht nur aus Gutherzigkeit beschlossen, sondern durchaus auch in Hinblick auf die Wähler und den Koalitionspartner, die Grünen, sowie als Statement gegen die rechtspopulistische Opposition. Allerdings hat niemand damit gerechnet, dass das eine Lawine ungeahnten Ausmaßes ins Rollen bringen würde.
An einem lauen Sommermorgen trauen die Obdachlosen unter einer Brücke ihren Augen nicht und glauben zuerst an ein beginnendes Delirium. Fahrradfahrer fallen vom Rad, weil sie meinen, einer Fata Morgana aufgesessen zu sein. In der Spree badet genüsslich ein ausgewachsener Elefant und bläst voller Wohlbehagen das Wasser aus seinem Rüssel. Ist er aus dem nahen Zoo entlaufen? Wilde Spekulationen. Dann kommt ein zweiter dazu, auf einmal sind es vier, bei 48 hört man vorübergehend auf zu zählen.
Die Bundesregierung ist alarmiert, ein Krisenstab wird eingerichtet, ein Terrorakt nicht ausgeschlossen. Inzwischen steigt die Anzahl von Dickhäutern in den dreistelligen Bereich, Tendenz weiter steigend. Die Tiere behindern massiv den Verkehr, walzen Supermärkte nieder, um an das Obst und Gemüse zu kommen, den Rest erledigen Plünderer. Die Regierung schaut scheinbar tatenlos zu, die Opposition reibt sich die Hände. Dann bekommt der Bundeskanzler einen Anruf aus Botswana, der dortige Regierungschef ist am Apparat. Der Inhalt dieses Gespräches reißt ihm endgültig den Boden unter den Füßen weg. Mehr wird nicht verraten.
Wow, was für ein Buch: der messerscharfe Blick auf unsere Politik, der süffisante Humor, die Arroganz der westlichen Welt, nicht zuletzt der Postkolonialismus, Anspielungen zum Thema Migration, bissige Gesellschaftskritik vom Feinsten und die aufgeblasene Medienlandschaft – all dies macht diesen Roman aus. Viel Stoff grandios umgesetzt auf noch nicht mal 200 Seiten, mit viel Humor und satirischen Seitenhieben, sehr unterhaltsam und ein großes Lesevergnügen mit viel Stoff zum Nachdenken. Lesen Sie selbst, dieses Buch ist ein Knaller!
(Sylvia Jongebloed)
Gaea Schoeters: Das Geschenk. Zsolnay 2025, € 22,00.
Übersetzt von Lisa Mensing

