Der Traum vom eigenen Heim wächst sich in dem aktuellen Krimi von Arno Strobel zu einem wahren Alptraum aus. Der Autor spielt verschiedene Schreckensszenarien durch und lenkt damit den Fokus geschickt auf die Urängste des Menschen. Was gestern noch normaler Alltag war, ist heute der blanke Horror.

Marco Winkler und seine Frau Ines haben sich den langgehegten Traum vom eigenen Haus erfüllt. Heute bei Schlüsselübergabe geht er endlich in Erfüllung. Abseits von jeglichem Großstadtrummel erwartet sie in dieser ländlichen Region eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Die Neubausiedlung mit den vielen Gärten und den jungen Familien ist ein idealer Ort, ihre vierjährige Tochter aufwachsen zu sehen. Der Umgangston mit den Nachbarn ist locker. Soweit so gut, dann kommt die erste Nacht.

Marco wird nachts von einem merkwürdigen Geräusch wach. Noch halb im Schlaf stellt er fest, dass es sich um das Knurren von James, ihrem Labradoodle, handelt. Der Hund steht in Hab-Acht-Stellung mit gesträubten Nackenhaar und erhobenem Schwanz da und gibt beunruhigende Knurrgeräusche von sich. Der Strom ist ausgefallen, die Hauptsicherung ist rausgeflogen. Zufall? Aber in den nächsten Nächten häufen sich weitere ungewöhnliche Vorfälle. Das können keine Zufälle mehr sein. Ines meint vor ihrem Bett einen Schatten gesehen zu haben, der sie beim Schlafen beobachtet hat. Eine Tür ist sperrangelweit auf, die vorher ganz sicher zu war. Im leerstehenden Nachbarhaus geistert jemand mit einer Taschenlampe herum. Dann eskaliert die Lage, es gibt einen Toten. Niemand ist mehr sicher. Das Misstrauen ist gesät, es wird eine Bürgerwehr errichtet. Alfred Hitchcock lässt grüßen!

Der Autor baut gekonnt eine starke psychologische Spannung auf, die wie ein Sog wirkt. Man spürt praktisch die Angst der Protagonisten zwischen den Zeilen. Der schleichende Horror, dem die Familie ausgesetzt ist, überträgt sich auf den/die Leser*in so extrem, dass man nicht umhin kommt, den Schlüssel der eigenen Haustür noch ein zweites Mal umzudrehen. Die Geschichte ist sehr konzentriert auf den Punkt geschrieben und kommt ohne unnötige Nebenhandlungen aus. Diese Erzählweise garantiert ein permanent hohes Spannungslevel, das in einen cleveren Showdown mündet. Ein enorm atmosphärischer Krimi mit Gänsehaut-Garantie passend für diese Jahreszeit!

(Sylvia Jongebloed)


Arno Strobel: Welcome Home. Fischer Verlag 2025, € 18,00.