Die japanische Journalistin und Autorin hat mit ihrem aktuellen Buch ihren zweiten Bestseller in ihrer Heimat sowie weltweit gelandet. Was auf den ersten Blick wie eine Sammlung von Kurzgeschichten erscheint, entpuppt sich sehr schnell als eine Erzählung über ganz unterschiedliche Menschen, die alle irgendwie miteinander zu tun haben. Wie bei einem Kaleidoskop, das man schüttelt, ergeben sich immer neue Konstellationen, die am Ende zu einem Ganzen werden.
Dreh- und Angelpunkt ist das kleine Café in einem Vorort von Tokio. Es ist idyllisch unter Kirschbäumen an einem Fluss gelegen und ein Geheimtipp unter Insidern. Der junge Wataru ist die Seele von allem. Er führt die Geschäfte mit großer Umsicht und bedient seine Gäste mit Respekt und Sensibilität. Besonders die junge Frau, die jeden Donnerstag am gleichen Platz sitzt und einen heißen Kakao trinkt, hat es ihm angetan. Sie schreibt immer Luftpostbriefe, was in der heutigen digitalen Zeit sehr auffällig ist und sie für ihn noch geheimnisvoller macht.
Auch die elegante Geschäftsfrau erregt seine Aufmerksamkeit. Sie wirkt so tough und effizient, erweist sich dann aber im täglichen Leben als das genaue Gegenteil. Die junge Kindergärtnerin, die ihren Sohn betreut, möchte aus dem engen Korsett der Kita ausbrechen, zumal sie auch mit ihrer dominanten Vorgesetzten nicht zurechtkommt. Sie träumt davon, Working Holidays in Sydney zu absolvieren, um sich dort beruflich weiter zu entwickeln. Ihre Chefin wiederum entzweit sich aufgrund unterschiedlicher Ansichten mit ihrer Jugendfreundin. Erst nach deren Einlenken treffen sich die beiden wieder unter den Kirschbäumen.
Ein weiterer Fixpunkt und Sehnsuchtsort dieser und weiterer Protagonisten ist Sydney. So wird er zum Ziel einer Hochzeitsreise. Weiterhin bekommt ein älteres Ehepaar zu ihrer goldenen Hochzeit eine Reise dorthin geschenkt. Eine Malerin, die auf die Farbe Grün spezialisiert ist, findet im Botanischen Garten in Sydney ihre Erfüllung. Eine japanische Austauschschülerin trifft dort auf eine Seelenverwandte.
All diese Protagonisten haben irgendwie miteinander zu tun. Diese kleinen und großen Geschichten erzählt die Autorin mit viel Empathie und Sensibilität. Keine ihrer Figuren ist schwarz oder weiß. Überhaupt lebt das Buch von Zwischentönen, dem täglichen Miteinander, dem Zusammenraufen sowie vom Verständnis füreinander und den entsprechenden Kompromissen, die im Leben notwendig sind. Ein leises Buch, das erdet und viel Spannung aus den jeweiligen Situationen erzeugt. Am spannendsten bleibt bis zum Schluss die Frage, wer ist die junge Frau, die jeden Donnerstag ihren Kakao unter den Kirschbäumen trinkt? Finden Sie es heraus, es lohnt sich!
(Sylvia Jongebloed)
Michiko Aoyama: Donnerstags im Café unter den Kirschbäumen. Kindler Verlag 2024, € 22,00.
übersetzt von Sabine Mangold

