Rosenfeldt, ein Part des Schriftsteller-Duos, das die Krimis um den Profiler Sebastian Bergman konzipiert hat, führt seine Solo-Reihe um die Polizistin Hannah Wester mit diesem Thriller fort. Man muss den Vorgänger nicht unbedingt gelesen haben. Der Autor versteht es gekonnt durch kurze Einschübe auf das vergangene Geschehen Bezug zu nehmen, so dass man der Handlung mühelos folgen kann.

Das Umland von Haparanda, einer verschlafenen nordschwedischen Stadt an der Grenze zu Finnland, ist schon einmal Schauplatz eines Verbrechens geworden. Damals ging es um einen groß angelegten Drogendeal, der vollkommen aus dem Ruder lief. Inzwischen scheinen sich die Gemüter der Bevölkerung wieder beruhigt zu haben. Die damals ermittelnde Polizistin Hannah Wester ist nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes und einer Auszeit von einem Jahr gerade wieder zurück im Dienst, als das Unfassbare geschieht. Die kleine Gemeinde wird wieder von einem grausamen Verbrechen erschüttert.

Mitten in der Nacht fliehen zwei hochschwangere Frauen durch das dichte Waldgebiet um Haparanda. Ihre Verfolger sind ihnen dicht auf den Fersen. Doch dann findet die Polizei mitten im Wald ein totes Baby, die Mutter ist spurlos verschwunden. Die Gemeinde ist geschockt und Hannah und ihr Team stürzen sich in die Ermittlungen. Als kurz darauf eine Frau, die vermeintliche Kindsmutter, tot aufgefunden wird, nimmt der Fall eine Wendung, über dessen Ausmaße man sich erst jetzt klar wird. Es geht um illegale Leihmutterschaft bzw. Menschenhandel im großen Stil. Kaum jemand kann sich so gut in diese Materie hineinversetzen wie Hannah, hat sie doch selbst ein Kind verloren.

Hochspannend und auf mehreren Ebenen erzählt beginnt dieser Thriller, und hochspannend geht es weiter. Durch den fließenden Perspektivwechsel ist der Leser den Figuren immer einen Schritt voraus, was die Spannung noch zusätzlich erhöht. Der Autor schafft es, uns durch die komplexe Handlung und die minutiöse Ausarbeitung der Charaktere zu fesseln. Viele lose Fäden werden geknüpft, einige davon werden am Ende aufgelöst, andere nicht. Eine Fortsetzung dieses Romans ist sozusagen vorprogrammiert. Ein atmosphärisch dichter, gut recherchierter und tiefgründiger Thriller, der bestens unterhält und noch lange nachhält. Sehr empfehlenswert!

(Sylvia Jongebloed)


Hans Rosenfeldt: Die Farm der Mädchen. Wunderlich Verlag 2026, € 24,00.

Übersetzt von Maike Barth, Antje Rieck-Blankenburg