Der Autor richtet in seinem Buch den Fokus auf mehrere Monate Exilleben einer bekannten deutschen Familie. Es ist sicherlich kein Zufall, dass es sich hierbei um die Familie von Thomas Mann handelt. Dem Ernst der damaligen Lage entsprechend, aber durchaus auch mit Humor nähert sich der Autor diesem äußerst kapriziösen Clan an.
Sommer 1933: Nachdem sich die politische Lage in Deutschland extrem verschärft hat, landet die Familie Mann nach einigen Irrfahrten schließlich im südfranzösischen Küstenstädtchen Sanary. Der dortige Aufenthalt soll nur vorübergehend sein. Es ist Juni und die Sonne brennt vom Himmel. Thomas möchte am liebsten sofort zurück nach München, sein Bruder Heinrich genießt dagegen die französische Lebensart. Die Kinder beschäftigen sich jeder auf seine Art, spielen Geige oder genießen das Strandleben. Golo ist in München geblieben, versorgt den Hund und bringt den Großteil des Familienvermögens in Sicherheit.
Prominente Exilanten wie Feuchtwanger, Huxley und andere Schriftsteller geben sich die Klinke in die Hand. Die Stimmung ist unterschiedlich. Die einen sehen mit gemischten Gefühlen der Zukunft entgegen, die anderen glauben, dass sich die momentane politische Lage in Deutschland so schnell wieder ändern wird, wie sie gekommen ist. Die Manns bewohnen eines der schönsten Häuser des Ortes mit Blick auf das Mittelmeer. Im Gegensatz zu vielen mittellosen Exilanten können sie ihren Lebensstandard halten. Reibereien sind natürlich trotzdem an der Tagesordnung. Der autoritäre Stil des Familienoberhaupts verstärkt sich eher noch. Er ist unzufrieden, denn die Monate vergehen und von einem kurzen Aufenthalt kann nicht mehr die Rede sein. Wie lange werden sie noch miteinander ausharren müssen? Zumal, so schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch: „Wir sind eine erlauchte Versammlung – aber einen Knacks hat jeder“.
Auch wenn dieses Buch ein akribisch recherchiertes Zeitzeugnis einer Welt im Umbruch ist, so ist es doch auch eine große Gesellschafts- und Familiengeschichte voll mit Skurillitäten. Er treibt einem manchmal förmlich die Tränen in die Augen, weil einige Passagen entweder zum Lachen oder Weinen sind. Eine schrecklich nette Familie mit vielen Ecken und Kanten, sehr unterhaltsam und kurzweilig geschrieben und, das darf man dabei nicht aus den Augen verlieren, mit einer überkochenden Weltgeschichte im Hintergrund.
(Sylvia Jongebloed)
Florian Illies: Wenn die Sonne untergeht, S.Fischer Verlag 2025, € 26,00.

